Rad-Zitate

Fahrrad-Reihe

Frage an den bekanntesten Soziologen der Gegenwart, Richard Bennet, der seit Jahrzehnten über urbanes Leben forscht, im Mai 2016: Was wäre Ihrer Meinung nach die klügste Option, sich durch die Stadt zu bewegen?

Richard Sennett: „Aus soziologischer Sicht ist Fahrradfahren die beste Art der Fortbewegung. Das hat wieder kognitive Gründe: Bei höheren Geschwindigkeiten gehen uns periphere Informationen verloren. Unser Gehirn ist nur auf das fokussiert, was vor uns liegt. Es wäre zu riskant, die Ränder des Sichtfeldes mit in die Aufmerksamkeit einzubeziehen. Auf dem Rad nehmen wir dagegen viel mehr wahr. Fahrräder sind also nicht nur gut für die Umwelt. Sie sind auch gut fürs Gehirn.“

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Oberbürgermeister-Kandidat Sven Gerich am 21. Februar 2013 im Hessischen Runfunk:

HR: „Welches Projekt hat im Bereich Umwelt für Sie Priorität?“

Sven Gerich: “Ich möchte, dass sich Wiesbaden auf den Weg zu einer nachhaltigen Stadt macht. Das bedeutet, wir müssen anfangen umzudenken – auch wenn dies ab und zu unbequem erscheint. Meine wichtigsten Projekte sind daher der Ausbau der erneuerbaren Energien und der Einstieg in eine neue Mobilität.” … “Energetische Sanierung und umweltfreundliche Mobilität durch mehr Radverkehr und einen besseren ÖPNV müssen daher gleichranging in den Blickpunkt genommen werden.”

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Oberbürgermeister-Kandidaten Sven Gerich (SPD) und Helmut Müller (CDU) am 8. März 2013 (zwei Tage vor der Stichwahl) im Wiesbadener Tagblatt:
WT: „Wie kann Wiesbaden die rote Laterne als fahrradfeindlichste Stadt loswerden?“

Sven Gerich: “Indem wir die jetzt eingeleiteten Schritte konsequent weitergehen: Mit dem Radverkehrsforum wurde eine Plattform geschaffen, die Entscheidungsprozesse begleitet, vorbereitet und auf Missstände hinweist. Dabei soll das Thema in der ganzen Breite angegangen werden. Das Etikett „fahrradfeindlichste Stadt“ hat sich übrigens die Partei anzuheften, die in den vergangenen zwölf Jahren nichts für Fahrradfahrer gemacht hat.”

Helmut Müller:Wir müssen das dringend ändern. Es besteht ein hoher Ausbaubedarf, gerade im Innenstadtbereich, um das Radfahren in Wiesbaden sicherer und besser zu machen. Kurzfristig müssen wir die Brennpunkte der Radverkehrswege ausbauen und sicher gestalten. Langfristig bedarf es jedoch auf jeden Fall eines neuen Rad-Konzeptes in Wiesbaden.”

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Verkehrsdezernentin Sigrid Möricke am 8. Juli 2015 in der Frankfurter Rundschau:

„Bisher ist beim Radverkehr noch kein Vorschlag gescheitert, weil kein Geld da ist. Die Förderung des Radverkehrs wird aus dem Garagenfonds finanziert, in dem sich derzeit rund zehn Millionen Euro befinden. 1,1 Millionen Euro daraus habe ich für den laufenden Doppelhaushalt pro Jahr für die Förderung des Radverkehrs reserviert, diese Reservierung für den Radverkehr möchte ich auch für die kommenden Jahre so beibehalten. Da der Garagenfonds außerhalb der Dezernatsbudgets läuft, ist dieser von den aktuellen Einsparungen nicht unmittelbar betroffen. Die Mittel sind zweckgebunden zu verwenden.“

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Radverkehrskoordinatorin Rosa Jahn am 8. Juli 2015 in der Frankfurter Rundschau:

„Die Veränderung muss auch aus den Menschen selbst kommen. Das ist auch eine Frage der Sozialisation. Erst wenn Eltern ihr Kind konsequent mit dem Fahrrad zum Kindergarten und zur Schule bringen, die Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer auch mit dem Rad kommen, dann kann ein Umdenken stattfinden.“

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Schuldezernentin Rose-Lore Scholz (CDU) und Verkehrsdezernentin Sigrid Möricke (SPD) zum neuen Schülerradroutenplaner für Wiesbaden am 21. Juli 2015 in der Frankfurter Rundschau:

Rose-Lore Scholz: „Das Projekt kann eine gute Alternative zum Eltern-Taxi schaffen“ … „Kinder die nicht zur Schule gefahren werden, entwickeln oft schon in frühem Alter ein gutes Verständnis für den Straßenverkehr und sind deutlich weniger unfallgefährdet“.

Sigrid Möricke: „Wie erfolgreich die Projektidee ist, hängt stark von der Kooperationsbereitschaft der Eltern und Lehrer ab. Eltern und Lehrer müssen mit gutem Beispiel vorangehen und auf das Auto verzichten, um das Fahrrad als sicheres Transportmittel in den Köpfen der Kinder zu verankern. Außerdem geht die größte Gefahr für die Kinder rund um die Schulen von den Autos der Eltern aus.“

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Wiesbadens neue Radverkehrsplanerin Rosa Jahn am 11. Dezember 2014 in der Frankfurter Rundschau:

„Radfahrer sind eher schwache Verkehrsteilnehmer, die auch einen gewissen Raum brauchen, um sich sicher zu fühlen“ … „Ich mag die Weisheit, dass Autofahren Geld kostet und krank macht, das Rad die Menschen gesund hält und Geld spart.“

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Verkehrsdezernentin Sigrid Möricke am 19. November 2014 in der Frankfurter Rundschau:

„Die in weiten Teilen der politischen Landschaft verbreitete Fahrrad-Ablehnung ist in der Stadtgeschichte begründet: Die wohlhabende Gesellschaft Wiesbadens ist lange nicht an Radler gewöhnt gewesen. Radfahren wurde erst in den vergangenen Jahren en vogue. Und wer einen Porsche hat, der will ihn ja auch mal auspacken.“ … „Es gibt immer noch Widerstände gegen den Ausbau des Radverkehrs.“

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Claus-Peter Große, verkehrspolitischer Sprecher Bündnis 90/Die Grünen am 2. Februar 2013 in der Frankfurter Rundschau:

„Ein dichtes Radwegnetz in Wiesbaden ist absolut notwendig und bislang nur in Ansätzen vorhanden. Nur so kann der Anteil des Radverkehrs in Wiesbaden deutlich gesteigert werden.“

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Dipl.-Geogr. Annika Busch-Geertsema, Institut für Humangeographie
AG Mobilitätsforschung der Goethe-Universität Frankfurt am 25. Juni 2012 als Entgegnung auf Oberbürgermeister Helmut Müllers Behauptung, Wiesbadens Topographie sei der Grund für den geringen Radverkehrsanteil: „Die Berge in den Köpfen der Politiker sind das Problem.

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Ein  Lehrer der Elly-Heuss-Schule am 25. Juni 2012:
Nur 8 von 1400 Schülern kommen bei uns regelmäßig mit dem Rad zu Schule – das zeigt, wie gefährlich das hier ist.

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Dr. Thomas Fuchs vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club Hessen am 25. Juni 2012:
Wiesbaden ist extrem rückständig.“ … „Zusammenhanglose Einzelaktionen wie zuletzt am Bahnhof reichen nicht mehr aus.“

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Sigrid Möricke, neue Wiesbadener Verkehrsdezernentin, zum Amtantritt am 31. August 2011 in der Frankfurter Rundschau:

„Die Koalition strebt ausdrücklich eine Verbesserung für den Radverkehr in Wiesbaden an. Ich will die Autofahrer nicht vergraulen, aber ihnen gehört die Stadt nicht allein. Es kann nicht gut sein, wenn eine Auto-Lobby versucht, Fußgänger und Radfahrer zunehmend aus einem städtischen Lebensraum herauszudrängen – in einer Stadt sollen sich alle gleichberechtigt wohlfühlen und entspannt bewegen können.“ … „Sind wir doch ehrlich: Die meisten benutzen ihren Pkw doch nicht, weil sie jede Woche einen neuen Fernseher und nebenan den dazu passenden Fernsehtisch kaufen. Auch für den Kauf einer DVD oder eines Päckchens Butter wird mit dem Auto vorgefahren – aus reiner Gewohnheit. Eine gewisse Entlastung würde das sehr wohl bringen, wenn viele Käufer, zu denen auch die Anwohner gehören, dazu Bus oder Rad benutzten.“